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Künstliche Intelligenz in der Veterinärmedizin; Einblick in die Möglichkeiten, Chancen und Herausforderungen

  • vor 5 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Ein Rückblick auf das Rahmenprogramm der Generalversammlung der Schweizerischen Vereinigung


Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde – doch hilft sie uns bereits in der tierärztlichen Praxis und was können wir in Zukunft erwarten?Als Rahmenprogramm der diesjährigen Generalversammlung der Schweizerischen Vereinigung der Arbeitgeber-Tierärzteschaft (SVAT - ASVE) präsentierten sieben Start-ups ihre Lösungen und Visionen. Ihr Ziel: den Arbeitsalltag von Tierärztinnen und Tierärzten durch den Einsatz von KI zu vereinfachen und den Stress im klinischen Alltag zu reduzieren. Sie zeichneten ein beeindruckendes Bild von Fortschritt. Die vorgestellten Technologien versprechen effizientere Diagnosen, optimierte Praxisabläufe und eine engmaschigere Überwachung der Tiergesundheit.


Viele der vorgestellten Lösungen basieren auf Speech-to-Text-Anwendung: Das Gespräch mit dem Patientenbesitzer wird während der Konsultation aufgenommen und die klinisch relevanten Informationen direkt zu einem strukturierten Bericht zusammengefasst. Algorithmen analysieren die Inhalte, schlagen mögliche Diagnosen sowie weiterführende Abklärungen vor und liefern teilweise gleich noch dazu passende wissenschaftliche Literatur. Auch administrative Prozesse können deutlich vereinfacht werden: KI generiert Behandlungspläne, Antibiotikagaben werden automatisch erkannt und im ISABV gemeldet, Zahlungsterminals, Laborgeräte, Radiologie, Terminplanung, Telefonie und Buchhaltung sind miteinander verbunden und von Auftrag bis Abrechnung, resp. Zahlungseingang automatisiert.


Doch wie zuverlässig funktionieren diese Systeme im klinischen Alltag? Die Start-ups betonten die hohe Genauigkeit ihrer Anwendungen. Gleichzeitig gilt natürlich, KI ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie basiert. Die Qualität und wissenschaftliche Fundierung der Datensätze sind entscheidend. Gerade im Schweizer Kontext stellt zudem die Vielfalt an Dialekten eine Herausforderung für die Spracherkennung dar.

Auch die Rolle der fehlenden menschlichen Intelligenz und Empathie wurde diskutiert. Wie reagieren digital weniger affine Personen auf automatisierte Sprachsysteme? Wo bleibt der klinische Blick, die Erfahrung, das Gespür für das einzelne Tier? Wie verlässlich kann eine KI Rezeptionistin am Telefon einen Notfall erkennen – und kann sie dabei unter Umständen ebenso gut oder sogar besser reagieren als ein Mensch?

Eine wichtige Diskussion dreht sich rund um die Fragen des Datenschutzes und der Verantwortung: Wem gehören die erhobenen Daten? Wer haftet bei Fehlentscheidungen? Und wie transparent sind Speicherung, Nutzung und mögliche Weiterverarbeitung sensibler Informationen? Klare Antworten darauf bleiben trotz vorhandener Datenschutzbestimmungen teilweise schwer greifbar.


Die Veranstaltung bot neben Einblicken in aktuelle Entwicklungen auch Raum für Austausch und Vernetzung. Einige Teilnehmer nutzen KI schon im klinischen Alltag: Befunde werden zwischen zwei Besuchen diktiert und müssen zurück in der Praxis lediglich noch ins Praxismanagementsystem kopiert werden. Operationsberichte lassen sich direkt einsprechen und werden durch KI in strukturierte Rücküberweisungsberichte mit eigenem Kliniklogo umgewandelt. Auf digitalen Boxenplänen sind notwendige Behandlungen der stationären Patienten ersichtlich, durchgeführte Massnahmen und Befunde werden laufend erfasst und automatisch verrechnet. Die Erfahrungsberichte waren durchwegs positiv, KI ermöglicht eine massive Entlastung an produktiver Zeit – Zeit, die man lieber am Tier verbringen möchte!


Fest steht: Die Integration von KI eröffnet der Veterinärmedizin enorme Chancen! Sie trägt jetzt schon dazu bei, die Arbeit in der Praxis deutlich effizienter zu gestalten und die Versorgung von Tieren zu verbessern. Der verantwortungsvolle Umgang mit Daten, ethische Überlegungen und die Sicherstellung qualitativ hochwertiger Grundlagen werden entscheidend dafür sein, wie nachhaltig sich diese Technologien im Praxisalltag etablieren.

 



Eigenpräsentationen der Start-ups:


"Vetz is an AI-powered operating system (OS) for veterinary clinics that automates clinical documentation, summarizes patient histories, and provides real-time medical and billing suggestions during consultations. Built on an agentic workflow, Vetz can proactively handle tasks across the clinical process, such as sharing knowledge between peers, and helping veterinarians save up to two hours per day while supporting 14 languages. The platform integrates seamlessly with existing clinic systems."


"Vetpal bietet mit „Emma" eine KI-Rezeptionistin, die Tierarztpraxen und Tierkliniken rund um die Uhr am Telefon entlastet: Emma nimmt Anrufe entgegen, bucht und verwaltet Termine direkt im Praxissystem, beantwortet häufige Patientenfragen und leitet Notfälle intelligent weiter. Die Lösung ist bereits bei über 250 Praxen und Kliniken in der DACH-Region im Einsatz – darunter einige der führenden Tierkliniken Europas – und spart Praxisteams durchschnittlich mehrere Stunden Telefonzeit pro Tag. "


"Vetamon® ist eine cloud-basierte Klinikmanagementsoftware für Tierarztpraxen und -kliniken. Die Plattform integriert Terminplanung, digitale Boxenpläne, Buchhaltung, Zahlungsterminals und vieles mehr in einem System und automatisiert wiederkehrende Aufgaben wie Abrechnungen, Mahnwesen und ISABV-Meldungen. Ergänzt wird das System durch KI-gestützte Dokumentation, die Übergabezusammenfassungen, Rücküberweisungsberichte und Nachsorge-Anweisungen automatisch aus der Krankengeschichte generiert. "

"Petwork ist eine digitale Plattform (App und Webanwendung) zur strukturierten Erfassung, Verwaltung und Analyse von Gesundheits- und Aktivitätsdaten von Haustieren. Mithilfe KI-gestützter Datenerfassung (Text, Sprache, Bild oder Dokumente) werden alle Informationen automatisch kategorisiert und übersichtlich dargestellt. Dadurch können Tierhaltende und Tierärzt:innen jederzeit auf vollständige Gesundheitsverläufe zugreifen und diese z. B. für Diagnostik, Verlaufskontrolle oder den Austausch als Bericht nutzen. "


"MPAssist ist ein Schweizer Unternehmen, das KI-gestützte Lösungen zur automatisierten Dokumentation in der Tiermedizin entwickelt und damit den Praxisalltag spürbar erleichtert. Die Tools erstellen strukturierte Berichte aus Gesprächsaufnahmen oder Diktaten und fördern effiziente, praxisnahe Abläufe. So bleibt mehr Zeit für das Wesentliche – die bestmögliche Versorgung der Tiere. "


"CoVet ist der einzige KI-Copilot für Tierärzte, der von einem fest angestellten Team aus über 35 aktiven Veterinärmedizinern entwickelt wird. Neben automatisierter Dokumentation bietet CoVet klinische Entscheidungsunterstützung in Echtzeit, tierartspezifische Vorlagen für über 95 Dokumenttypen sowie eine vollständig anpassbare Workflow-Infrastruktur, die sich jeder Praxis – von der Einzelpraxis bis zum Klinikverbund – nahtlos anpasst. Mit 550 % Nutzerwachstum auf sechs Kontinenten und der Auszeichnung mit dem Purina Pet Care Innovation Prize 2026 hat sich CoVet als globaler Standard für moderne Veterinärmedizin etabliert."


"Vetnio ist eine rein tiermedizinisch trainierte KI-gestützte Plattform für Tierarztpraxen und Kliniken, die den gesamten dokumentations- und kommunikationsbezogenen Workflow abbildet – von der automatisierten Konsultationsdokumentation über strukturierte Kommunikationsdokumente und VetsGPT als digitalen Kollegen bis hin zu Meeting- und Telefontranskription. Der entscheidende Mehrwert liegt in der durchgängigen, praxisnahen Integration in den Arbeitsalltag, wodurch Dokumentationsaufwand messbar reduziert, Prozesse standardisiert und gleichzeitig die medizinische Qualität und Nachvollziehbarkeit deutlich erhöht werden. "

 
 
 

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